Bauchtanz im Orient

Die Geschichte des Bauchtanzes ( Raks Sharki )

Seit jeher findet der Tanz in allen Kulturen der Welt seine Bedeutung. Die Ursprünge des Bauchtanzes oder Belly Dance sind wissenschaftlich nicht unbedingt zu ergründen. Man kann davon ausgehen, dass es sich bei dem orientalischen Tanz, wie er richtigerweise genannt wird, anfänglich um eine Art Fruchtbarkeitstanz gehandelt haben könnte. Der Bauch steht für das Symbol des Weiblichen oder Mutterschaft. Sinnliche und lustbetonte Bewegungen des Beckens und der Hüfte sprechen für die Theorie des rituellen Tanzes mit erotischem Charakter. Erste schriftliche Erwähnungen findet der orientalische Tanz bei Gustave Flaubert. Er reiste im 19. Jahrhundert in den Orient. Flaubert war tief beeindruckt von den für einen christlich geprägten Europäer moralisch verwerflichen Bewegungen der hüftschwingenden Frauen.
„Auf der Treppe uns gegenüber, umgeben von Licht, steht eine Frau, deren Konturen sich vor dem blauen Hintergrund des Himmels abheben, in rosa Hosen. Über dem Körper trägt sie nur einen dunkelvioletten Gazeschleier. Ruchiouk-Hanem ist ein großes, prächtiges Geschöpf, hellhäutiger als eine Araberin, sie stammt aus Damaskus. Ihre Haut, besonders am Körper, ist leicht kaffeebraun. Ihre Augen sind schwarz und übergroß, ihre Brauen schwarz, … üppige Brüste … Sie trug einen breiten Tarbusch...-... Als Armband zwei kleine zusammengebogene, ineinander verschlungene Goldstäbchen … Dreifache Halskette aus dicken, hohlen Goldkörnern am Rand. Die Musikanten erscheinen … Sie kratzen beide auf einem Rebab, einer Art kleiner, runder Violine, die in einem Eisendorn endet, der auf dem Boden steht, und zwei Rosshaarsaiten … Ruchiouk-Hanem und Bembeh fangen zu tanzen an … Ruchiouks Tanz ist ungestüm, sie quetscht den Busen so kräftig in ihre Jacke, dass ihre zwei bloßen Brüste ganz fest gegeneinander gepresst sind. Zum Tanzen bindet sie sich als Gürtel einen braunen, zur Krawatte gefalteten Schal mit einem Goldstreifen und drei Troddeln um, die an Schleifen hängen. Sie hebt sich bald auf den einen Fuß, bald auf den anderen Fuß, ganz wunderbar; ein Fuß bleibt fest auf der Erde, während der andere sich hebt und vor dem Schienbein des ersten vorbeigleitet, dies alles in einem anmutig-leichten Sprung. Ich habe einen solchen Tanz schon auf alten griechischen Vasen gesehen ... Bembehs Vorliebe gilt einem geradlinigen Tanz; beim Schreiten senkt und hebt sie jeweils nur eine Seite der Hüfte, eine Art rhythmisches Hinken von großer Ausdruckskraft. Bembeh hat Henna an den Händen … Wir kehren zurück zu Ruchiouk. Der Raum wurde von drei Dochten in ölgefüllten Gläsern erhellt, die in Armleuchtern aus Weißblech steckten, die an den Wänden hingen. Ruchiouk tanzt uns den Bienentanz vor. … Ruchiouk hat sich beim Tanzen entkleidet. Einmal entblößt, behält man lediglich ein Tuch, mit dem man so tut, als wolle man sich dahinter verstecken, um es schließlich wegzuwerfen. Darin also besteht der Bienentanz. Schließlich, nach dem berühmten Sprungschritt, wo ein Bein am anderen vorbeigeführt wird, kehrte sie atemlos zu ihrem Diwan zurück, auf dessen Ecke sie niedersank.“ (Gustave Flaubert, Reise in den Orient)
Vermutlich wurden die Bauchtänze von den Türken nach Ägypten gebracht. Im 15. Jahrhundert tanzten Knaben und Transvestiten den orientalischen Tanz, da das Enthüllen für Frauen zu der Zeit noch unvorstellbar war. Aber zu Beginn des 19. Jahrhunderts schrieb der bedeutende, britische Orientalist Edward William Lane: „Kurtisanen betreten den Raum, in dem nur Männer sitzen. Sie tragen durchsichtige, tief ausgeschnittene Blusen, trinken fast bis zur Bewusstlosigkeit Brandy und Likör, ehe ihnen die ebenso betrunkenen Männer mit Speichel benetzte Münzen auf Kinn, Lippen und Bauch legen.“
Den „raqs sharqi“, wörtlich übersetzt „Tanz des Orients“ genossen bereits vor 3000 Jahren Pharaone und Adlige. In Theben, im Grab des Nakht, sind in Felsmalereien leicht bekleidete Musikantinnen dargestellt. Ägyptens prominente Bauchtänzerinnen wie Samia Gamal und Naema Akef sind immer wieder als Wiederholungen aus den 40er Jahren im ägyptischen Fernsehen zu sehen.
Der orientalische Bauchtanz gehört unabdingbar zu allen Feierlichkeiten in der arabischen Welt. Durch Literaten und Ägyptenreisende wurde das Interesse an den orientalischen Solotänzen in Europa und Amerika geweckt. Bei der Weltausstellung 1893 in Chicago begeisterte Farida Mahzar, bekannt als „Little Egypt“ ihr Publikum, das ihr zunächst befremdet, dann aber fasziniert zusah. In „Salome“ bewegte Mary Garden mit ihrem „Tanz der sieben Schleier“ ihre Zuschauer. Trotz aller Begeisterung blieb man im Westen eher zurückhaltend. Es fiel schwer, die „unanständigen“ Bewegungen unverhohlen zu bewundern. Erst mit Beginn der 70er Jahre, der Generation der sexuellen Befreiung, entwickelte sich ein echtes Interesse am orientalischen Tanz. Feministinnen entdeckten hierin eine Ausdrucksform ihrer selbstbestimmten Weiblichkeit. Heute gibt es in jeder Stadt Tanzschulen, Volkshochschulen und Vereine, die Bauchtanzkurse anbieten.
Geht man ins Detail, erkennt man unterschiedliche Formen des „raks sharqi“. Da gibt es den Säbeltanz, der ebenso zu klassischer Musik wie auch zu modernen Klängen getanzt wird. Die Auswahl des Kostüms und Schmucks richtet sich nicht nach traditionellen Vorgaben. Er wird mit Oberteil und Pluderhose getanzt, aber auch in Folklorekostümen oder in einem klassischen Bauchtanzgewand. Beim Schleiertanz wird der Fantasie freien Lauf gelassen. Der Schleier ist der zentrale Anziehungspunkt. Er wird raffiniert verdreht und wirkungsvoll geschwungen. Der pharaonische Tanz drückt sich in dramatischer Gestik aus. Die begleitende Musik ist eher langsam und getragen. Im Tanz werden Symbole der ägyptischen Götter wie die Krone der Pharaonen, der ägyptische Halskragen oder Armschmuck als Accessoires getragen. Der „raqs sharqi“ ist der klassische Tanz des Orients. Charakteristisches Kostüm ist der Zweiteiler oder ein Kleid. Die Tänzerin trägt einen bestickten oder paillettenbesetzten BH, einen Gürtel und dazu einen Rock. Der Tanz wird mit einem Schleier begonnen, der dann abgelegt wird. Im Bollywood-Tanz vereinen sich unterschiedliche Tanzrichtungen aus dem Hip Hop, den Zigeuner- und Folkloretänzen und traditionellen Stilen. Sogar der Flamenco aus Andalusien gehört in gewisser Weise zu den Bauchtänzen. Deutlicher Unterschied zu der orientalischen Weise sind die nägel-beschlagenen Schuhe, die den Rhythmus vernehmlich angeben. Der Tribal-Dance entstand in den 60er Jahren in den USA. In Ansätzen erinnert er an archaische Stammestänze, ist aber ebenso wie der Bollywood-Tanz eine fantasiereiche Komposition aus Einflüssen aus Nordafrika, Spanien und Indien.
Allen gemeinsam ist die grundlegende Technik der isolierten Bewegungen einzelner Körperregionen. Während die ägyptische Bauchtänzerin die Bewegung aus der Körpermitte holt und wieder dorthin zurückfließen lässt, kommen bei der westlichen Interpretation die Impulse aus den Beinen. Beim sogenannten „Shimmy“, dem Zittern der Hüften oder anderer Körperteile, ist die vollkommene Körperbeherrschung des Tanzes am deutlichsten zu sehen. Der „ägyptische Tanz“ in seiner Art unterscheidet sich von der türkischen Variante.
Weibliche und fließende Bewegungen sind dafür typisch. Hier liegt das Hauptaugenmerk auf den Hüften, die Schritte stehen nicht im Vordergrund wie bei anderen Tänzen. Dennoch ist die technisch-korrekte Ausführung der Schrittfolgen unabdingbar für die Drehbewegungen und Übergänge in eine andere Figur. Die schlangenartigen Bewegungen der Arme akzentuieren mit einer Art Umrahmung die Hüfte, den Bauches, die Schultern und den Kopfes. Die Palette des ägyptischen Tanzes reicht von langsam-fließenden Bewegungen bis zu temperamentvollen, deutlichen Hüftschwüngen, begleitet von Bauch und Schulterbewegungen. Im Folgenden werden einige Tanzstile dieser orientalischen Kunst näher betrachtet:

Ghawazi
Fellachi
Haghalla
Baladi
Saiidi
Melaya Lef oder Eskanderani

Lassen Sie uns noch tiefer in die Welt des orientalischen Tanzes tauchen und einen Blick auf berühmte Tänzerinnen und Tänzer aus der Vergangenheit und Gegenwart werfen.



Amani stammt aus dem Libanon, seit 1987 arbeitet sie als professionelle Tänzerin. Sie gilt als die bekannteste libanesische Tänzerin. Ihr Stil ist von Nadia Gamal beeinflusst.

Badia Masabni (*1892/94 in Beirut +1976 in Beirut) war Sängerin, Tänzerin und Schauspielerin in Ägypten. Sie war Leitfigur bekannter Tänzerinnen wie Samia Gamal und Tahia Karioka. Sie holte in das von ihr eröffnete Casino Badia in Kairo Künstler aus dem gesamten arabischen und europäischen Ausland. Badia Masabni stand für den ägyptischen Tanz im Bühnenstil, dem so genannten Cabaret-Stil. In den 1950er Jahren kehrte sie nach Beirut zurück, wo sie am 23. Juli 1976 starb.

Die Ägypterin Dina (*1966) erlangte durch ihre gewagten Kostüme Berühmtheit. Sie wurde von Ibrahem Akef (Onkel von Naima Akef) und Raqia Hassan unterrichtet. Dina setzte mit ihrem delikaten, pointierten und feinen Tanzstil einen neuen Trend. Sie gehört zu den Spitzenverdienern in ihrer Branche.

Fifi Abdo wurde in Meet Abouel Kom, einem kleinen Dorf nördlich von Kairo, geboren. Ihre Karriere begann in den 70er-Jahren. Sie zählt heute zu den reichsten Frauen des Landes. Ihr Baladi-Stil ist lässig, erdig und kraftvoll.

Lucy stammt aus dem Viertel der Mohammed-Ali-Straße. Sie wird wie Dina und Fifi Abdou zu den Topstars gezählt. Neben ihrer Tanzkunst arbeitet sie als Sängerin und Fernsehserienstar. Im „Parisianna“, einem Nachtclub in der Pyramidenstraße, kann man ihren Folklore-Stil vermischt mit westlichen Elementen regelmäßig bewundern.

Mahmoud Reda (*1930) ist der Begründer des ersten ägyptischen Folklore-Ensembles, in dem die bekannte Solotänzerin Farida Fahmi mitwirkt. Auch die bekannte ägyptische Choreographin Raqia Hassan ging aus der Reda-Gruppe hervor. Mahmoud Redas Tanzstil (Reda-Stil) ist deutlich vom Balletttanz beeinflusst.

Mona Said (*1954) tanzte ihren zugleich starken und eleganten Stil in den 70er- und 80er-Jahren in
Kairo. Tahia Karioka nannte sie einmal "The princess of raks sharki". Sie verbrachte einige Jahre in London. Mona lebt und unterrichtet bis heute in Kairo.
Nadia Gamal (*1937 in Alexandria +1990 Libanon) war die bekannteste libanesische Tänzerin. Sie studierte Ballet, Modern Dance und Jazz und ließ Elemente davon in ihren orientalischen Tanz einfließen.

Die ägyptische Baladi-Tänzerin Nadia Hamdi aus der Mohammed-Ali-Straße führte mit ihrem Tanz die Tradition der Awalim fort. Ende der 90er Jahre verabschiedete sie sich von der Bühne, unterrichtet aber bis heute noch. Ihr eindrucksvoller Leuchtertanz wird immer ihr Markenzeichen bleiben.

Nagua Fuad (ca. 1930) war von Herzen Bühnentänzerin mit immer wieder neuen Ideen. Nagua polarisierte die Kairoer Gesellschaft: Wurde sie von den einen zur „Queen of bellydance“ hochstilisiert, fanden die anderen sie zu rau und plump.

Naima Akif (*1939 in Tanta +1966 in Kairo) stammt aus einer Zirkus-Familie. Das Tanzen wurde in frühester Jugend zu ihrer Leidenschaft. Als Schauspielerin machte sie sich einen Namen im Film „Tamr Henna“, die Hennablüte. Ihr Stil war edel und gewählt, niemals gewöhnlich. 1964 beendete sie ihre Bühnenkarriere. Naima Akif starb am 21. April 1966 im Alter von nur 27 Jahren.

Nesrin Topkapi (*1952) zählte in den 80er-Jahren zu den bekanntesten Tänzerinnen der Türkei. Nach einigen Jahren in London unterrichtet Nesrin bis heute in Istanbul orientalischen Tanz an der Universität und in ihrem eigenen Studio.

Raqia Hassan tanzte im Ensemble und als Solotänzerin in der Reda-Truppe. Sie entwickelte Choreographien für Azze Sherif, Mona Said, Nelly Fuad und Dina. Heute ist sie Organisatorin des Ahlan-Wa-Sahlan-Festivals in Kairo.

Samia Gamal (*1924 in Wana el-Quass +1994 in Kairo) startete ihre Laufbahn in den frühen 40er-Jahren im legendären Casino Opera von Badia Masabni. Als Schauspielerin erlangte sie, mit ihrem Lebenspartner Farid el Atrache, einem bekannten Sänger und Komponisten ebenso viel Berühmtheit wie mit ihrem ausdrucksstarken und fließenden Tanzstil. Der ägyptische König Faruq verehrte ihre Tanzkunst.

Suheir Saki (*ca. 1944/46 in Mansoura) wuchs in Mansoura und Alexandria auf. Bereits als Elfjährige stieg sie in das berufliche Tanzen ein. Sie zählte zur Spitze der orientalischen Tanzszene Ägyptens. Ihr Stil war traditionell und klassisch, gelenkt vom Baladi-Stil. Suheir Saki soll die erste Tänzerin gewesen sein, die die Lieder der sagenhaften Oum Kalsoum tänzerisch auslegte. In den 90er-Jahren endete ihre Bühnenkarriere.

Tahia Karioka (*1919 in Ismailia +1999 in Kairo) gilt als Darstellerin des traditionellen Stils einer "Hanem", einer vornehmen Dame. Tahia beendete ihre Tanzkarriere bereits im Alter von 32 Jahren. Es war von großer Bedeutung für sie, dass ihr Publikum sie als schöne und junge Tänzerin in Erinnerung behalten solle.





Orientalische Tanzkunststile:

Afro-Oriental
Akrobatische Tänze

ägyptischer Stil
Arabic-Indian-Fantasy
Arabic-Flamenco
Arabic-Pop
arabisch-andalusisch
Balladi
Beduinentanz
Bodentanz
Dabke
Drehtanz
Eskanderani (Melaya Leff)
Fächertanz
Fellahi - Krugtanz
Feuertanz
Fischertanz
Ghawazi
Hagalla
Kerzentanz ( Shamadan – Leuchtertanz)
Khaleegy
klassisch ägyptischer Tanz
Korbtanz
Krugtanz
Zimbeltanz
Zigeunertanz
Kairo-Stil
Saidi - Stocktanz
Bollywood-Tanz
Bambouti-Löffeltanz
Nubischer Tanz
Orientalischer Showtanz
Säbeltanz
Schwerttanz
Schleiertanz
Zimbeltanz




Rufen Sie uns an

+49 6035 2084634
Von Mo-Fr von 9.00 bis 18.00 Uhr
sowie Sa-So von 13.00 bis 16.00 Uhr
sind wir für Sie erreichbar

Schreiben Sie uns

info@egyptbazar.de
oder nutzen Sie das Kontaktformular